Öffentliche Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren?! Stellungnahme des Kirchengemeinderates

Am 29.11. hatte die Landessynode der evang. Landeskirche darüber zu entscheiden, ob künftig auch Paare gleichen Geschlechts, die standesamtlich getraut wurden, eine öffentliche Segenshandlung durch Pfarrerin/Pfarrer bekommen können. Damit hätte sich unsere Landeskirche in den großen Kreis der anderen Landeskirchen begeben, die das in verschiedener Weise ermöglichen.

Zum Kompromissvorschlag unseres Landesbischofs, der so lautete: „WENN ¾ eines Kirchengemeinderats und zuständige PfarrerInnen zustimmt, KANN in dieser (!) Kirchengemeinde eine öffentliche Segnung stattfinden (ähnlich einer Trauung)“ fehlten zur notwendigen 2/3 Mehrheit genau zwei Stimmen! Kein Pfarrer, keine Kirchengemeinde wäre also zu einer solchen Handlung gezwungen gewesen.

Landesbischof July sagte dazu: Beinahe zwei Drittel der Landessynode haben sich für die Ermöglichung einer öffentlichen kirchlichen Amtshandlung für gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen. Dieses durchaus starke Votum, das ich auch für repräsentativ für die Stimmungslage an der kirchlichen Basis halte, verstehe ich als Verpflichtung, in dieser Sache weiter aktiv zu bleiben...“

Der Kirchengemeinderat ist enttäuscht, dass die Landessynode die nötige 2/3 Mehrheit nicht erreicht hat. Bedingt durch das württembergische Kirchenrecht hat somit eine Minderheit in der Synode verhindert, dass öffentliche Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in unseren Kirchen stattfinden können. Nicht etwa, weil die Kirche modern sein soll oder dem Zeitgeist entsprechen sollte, wäre die Entscheidung, dem Kompromissvorschlag zuzustimmen, wichtig gewesen. Sondern weil Christen in der Nachfolge Jesu den Segen Gottes nicht verhindern, sondern ermöglichen sollen. Der Vorwurf, man würde lediglich dem Zeitgeist, oder dem Mainstream entsprechen, wenn man der Amtshandlung zustimmt, ist uns zu einfach. Wenn Gruppen, Laien, Theologen, Professoren, oder Bischöfe nach jahrelangem Bibelstudium und reiflicher Überlegung trotzdem zu unterschiedlichen Glaubenshandlungen und zu theologisch ausführlich begründeten unterschiedlichen Ergebnissen kommen, steht es niemandem zu, die jeweils andere Haltung zu verurteilen. Fataler Weise wird nun mit der nicht erfolgten Entscheidung ein scheinbares Zeichen gesetzt, dass es Menschen unterschiedlicher „Klassen“ gibt. Es ist uns wichtig, dass wir als Kirchengemeinde offen sind für alle Menschen. Und wo zwei Menschen beschließen, ein gemeinsames Leben in Verantwortung, Verlässlichkeit, Treue und Gleichberechtigung zu führen, da steht dieses Vorhaben nach unserem Verständnis unter dem Segen Gottes, ohne dass damit die Ehe von Mann und Frau in Frage gestellt wäre.

Es ist uns bewusst, dass nicht alle so denken und argumentieren.

Wir als Kirchengemeinderäte und Pfarrerin wollen das Hauptaugenmerk auf die Vielfalt der Gemeinde lenken und auf das, was jede(n) einzelne(n) ausmacht. Die Buntheit und Verschiedenheit ist ein großer Schatz, den wir gerne fördern. Nur wenn wir alle einladen und uns nicht gegenseitig ausgrenzen, oder gar versuchen, uns gegenseitig eine bestimmte Glaubenshaltung aufzunötigen, kann tatsächlich Gemeinschaft entstehen.

Wir laden ein, in der Gemeinde beides zuzulassen: das Ringen um die „richtige“ Auslegung von Bibelstellen, aber auch die Tatsache, dass wir nicht einer Meinung sein müssen. Deshalb sind wir der Meinung, dass der Kompromissvorschlag des Oberkirchenrats allen gerecht geworden wäre. Wir wollen im Gespräch bleiben. Wir wollen vor allem deutlich sagen: wir geben Gottes Segen weiter. Wir sollten ihn nicht vor denen zurückhalten, die ihn erteilt bekommen möchten.